1. – 4. Schuljahr

Fin Stempel

Der Modekoffer

Ein Interview mit Katarina Wildfang

Ein Koffer voller Perspektiven: Mit dem Modekoffer, der zahlreiche pädagogische Materialien zu Mode aus Afrika enthält, versucht der Verein GEMEINSAM FÜR AFRIKA schon früh ein differenziertes Afrikabild an Schülerinnen und Schüler zu vermitteln.

Ein Fair-Trade-Schuh, gefertigt von einer äthiopischen Firma, eine Halskette, die in Eswatini hergestellt wurde, eine „Queens of Africa-Puppe aus Nigeria all das und mehr enthält der Modekoffer, den der Verein GEMEINSAM FÜR AFRIKA kostenlos an Grundschulen und auch Sekundarschulen verschickt. Diese haptischen Materialien zum Anfassen, Spielen und Erleben sollen das Bewusstsein der Kinder für Mode „Made in Africa schärfen und damit gleichzeitig Interesse an der großen Vielfalt des Kontinents wecken. Katarina Wildfang (Abb. 1 ), die bei GEMEINSAM FÜR AFRIKA als Referentin für Schulen für das Projekt verantwortlich ist, erläutert im Gespräch die Ideen hinter dem Modekoffer.
Frau Wildfang, Sie haben den Modekoffer mitkonzipiert und gestaltet.
Wie ist das Projekt entstanden?
Zunächst bestanden mehrere Ideen pädagogischer Konzepte. Unser Anspruch war es, etwas Aktuelles anzubieten, das junge Menschen interessiert und wozu jeder eine Verbindung hat. Jeder beschäftigt sich zwangsläufig mit Mode, und viele identifizieren sich damit deshalb Mode.
Wann entstand das Ganze?
Der Koffer (Abb. 2 ) wurde von uns im Vorsommer 2018 konzipiert. Im Oktober konnten wir das Projekt sehr erfolgreich launchen. Die Koffer waren zu Beginn direkt ausgebucht. Inzwischen ist der Andrang etwas zurückgegangen. Wir versenden insgesamt 14 Modekoffer, von denen fünf für die Sekundarstufe und neun für die Grundschule zusammengestellt sind.
Wie wird das Projekt finanziert?
GEMEINSAM FÜR AFRIKA ist ein Bündnis von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, die sich für bessere Lebensbedingungen in Ländern Afrikas einsetzen. Die Mitgliedsbeiträge unserer 18 Mitgliedsorganisationen und die staatliche Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ermöglichen das Ganze. Schulen können den Koffer kostenfrei bestellen, und es muss lediglich das Rückporto getragen werden.
Wie ist die Resonanz? Wird der Koffer gut angenommen?
Wir sind zufrieden mit den eingehenden Bestellungen. Wir haben die Koffer im letzten Jahr etwa 70-mal entliehen. Wir stellen fest, dass die Sekundarstufenkoffer besser angenommen werden als die für die Grundschule. Das mag daran liegen, dass die Themen dort schon greifbarer sind.
Welches Ziel verfolgt das Projekt?
Uns ist es vor allem wichtig, dass wir ein differenziertes Afrikabild vermitteln können. Afrika wird in der Bevölkerung häufig als „Problemkontinent wahrgenommen. Afrika ist riesig, und es gibt so viele verschiedene Kulturen. Es ist sehr schade, dass viele Menschen ein so pauschalisierendes, klischeehaftes Bild von Afrika haben. Genau das wollen wir ändern.
10 – 15% der weltweiten Baumwolle werden in Afrika angebaut. Das heißt, dass jedes zehnte Kleidungsstück in unseren Schränken aus einem afrikanischem Land stammt. Dass man dadurch Teil des Ganzen ist, sollten alle Konsumenten erkennen.
Wie sollen die Gegenstände im Koffer das erreichen?
Wir haben einen Fokus auf haptische Inhalte gelegt. Den Schülerinnen und Schülern soll das Thema greifbar gemacht werden. Auch ist uns wichtig, dass sie Schicksale hinter der Mode erkennen. Wir wollen Abstraktes sichtbar machen und möglichst früh Berührungspunkte mit dem Thema schaffen.
Was beobachten Sie in der Entwicklung von Mode bei uns in Deutschland und auf dem afrikanischen Kontinent?
Es ist mir sehr wichtig zu betonen, dass man bei afrikanischen Kulturen nicht pauschalisieren kann. Es gibt so viele verschiedene Muster, Farben, Schnitte und Kombinationen. Nur der Mut zur Farbe ist etwas, das viele Kulturen in Afrika verbindet (Abb. 3 ).
In Deutschland macht mir zurzeit die „Fridays for Future-Bewegung Mut, denn...

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