1. – 4. Schuljahr

Jürgen Claus

Kinderzeichnungen und Mode

Die Bedeutung der Kleidung

Schon ganz kleine Kinder haben Spaß am Verkleiden, versuchen z.B. in den Schuhen ihrer Eltern voranzukommen oder probieren sich mit unterschiedlichen Tüchern und Kleidungsstücken aus. Erst später, wenn Kleidung als textile Hülle bewusster wahrgenommen wird, wird mit dem „Kostüm eine zu spielende Rolle verknüpft. Dies findet auch Ausdruck in gemalten Bildern.
Schematische Formen im Vorschulalter
Schon im Vorschulalter stellen Kinder in ihren Zeichnungen bekleidete menschliche Figuren dar. Dem Entwicklungsniveau entsprechend verwenden sie dabei zunächst einprägsame schematische Formen.
So kennzeichnet zum Beispiel Milo (5 J.) in seiner Zeichnung „Ich und Mama (Abb. 1 ) einzelne Körperteile seiner beiden Figuren mit unterschiedlichen Farben (Grün, Blau und Schwarz), um die verschiedenen Kleidungsstücke (Pullover, Hose und Schuhe) voneinander abzugrenzen.
In Milos Zeichnung gibt es keine geschlechtsspezifische Differenzierung nicht nur auf die Kleidung bezogen. Kinder nutzen aber die Bekleidung einer Figur auch, um das Geschlecht zu charakterisieren. Eine solche Typisierungsform sehen wir in der Zeichnung (Abb. 2 ) von Mats (7,3 J.), der seine kleine Schwester Imme darstellt. Die charakteristische Trapezkontur für den menschlichen Körper stellt den Rock bzw. das Kleid einer weiblichen Figur schematisch dar. Ungewöhnlich ist in dieser Zeichnung die Umrisskontinuität. Ärmel und Kleid (obwohl verschieden gefärbt) werden in einer Kontur zusammenfasst. Alterstypisch wäre eher die Addition dieser Formen, ähnlich wie die Beine und die Füße der Figur als abgewinkelte Linien an das Kleid angefügt worden sind. Sehr liebevoll ist die rote Schürze in die Kontur des Kleides eingepasst worden.
Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Ausgestaltung der Kleidung
Bekleidete Figuren, bei denen sich das zeichnerische Interesse auf die besondere Ausdifferenzierung eines Kleidungsstücks richtet und somit eine modische Form betont, tauchen in den Zeichnungen von Mädchen erfahrungsgemäß häufiger auf als bei Jungen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang das Selbstbildnis von Imme (6,3 J.) im neuen Dirndlkleid (Abb. 3 ). Eine typische „Mädchenzeichnung! Die grafische Detaillierungslust und die Freude am Dekorieren, wie sie in den Zeichnungen von Mädchen häufig zu finden sind, kommen hier deutlich zur Anschauung. Die Konzentration auf die besondere Ausstattung dieses Dirndlkleids, verbunden mit dem Stolz, es zu besitzen und sich damit zu schmücken, wird für den Betrachter ablesbar. Vergleicht man diese Zeichnung mit dem Mädchenbild (Abb. 2), das Mats gezeichnet hat, wird die Unterschiedlichkeit des zeichnerischen Interesses zwischen Jungen und Mädchen deutlicher, denn bei Mats werden modische Details viel pauschaler abgehandelt.
Kultfiguren und Vorbilder
Anders verhält es sich mit dem Versuch, herausragende, massenmedial vermittelte „Kultfiguren und ihr äußeres Erscheinungsbild nachzuahmen. Beispielhaft sind die Zeichnungen von Gustav (8,3 J.), der den Star-Wars-Helden „Darth Vader
(Abb.4 ) darstellt oder die Zeichnung eines Dortmunder Fußballprofis von Matti (10 J.) (Abb. 5 ).
Solche Versuche sind bei Jungen und Mädchen gleichermaßen häufig anzutreffen. Ebenfalls in diesen Zusammenhang gehört das Interesse von Kindern am Verkleiden und an Kostümierungen auch außerhalb von Karneval und Halloween.
Natürlich weckt jede mit auffälliger Bekleidung ausgestattete Figur die Aufmerksamkeit eines Kindes und löst manchmal auch zeichnerisches Interesse aus. Das zeigt eine Zeichnung (Abb. 6 ) von Imme (3,8 J.), die ihren Bruder als Eishockeyspieler dargestellt hat. Der Schutzhelm, die Maske, das aufgeplusterte, wie ein Kleid geschnittene Trikot, der Puck und auch die Schlittschuhe, deren Kufen als Sichel geformt am Schuh erscheinen, werden zusammengestellt und ergeben die überzeugende Kennzeichnung eines Eishockeyspielers.
Ähnlich verhält es sich mit...

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