1. – 4. Schuljahr

Ulrike Determann

Wetterphänomene

Die Naturgewalten und der Mensch

Bilder von Wetterszenarien prägen sich tief ein und haben, auch wenn sie inweit entfernten Regionen stattfinden, oft einen bedrohlichen Grundkern, weil siedie existenzielle Abhängigkeit des Menschen von der Natur ins Licht rücken.

Obwohl die Möglichkeiten der Berechenbarkeit des Wetters gerade heute sehr präzise geworden sind, hat das Langzeitklima der Erde kaum an Geheimnissen eingebüßt. Bereits unsere Vorfahren bezogen meteorologische Erscheinungen wie Dürre, Flut, Blitz und Donner in mythische Vorstellungen und religiösen Praktiken ein. Dabei gingen Beschwörungen von Wetterdämonen mit genauer Beobachtung von Wetterphänomenen einher.
Die Götter und das Wetter
Im mythischen Denken wurden Unwetter immer als göttliche oder dämonische Gewalten imaginiert. Dabei verknüpfte man die Wetterphänomene entweder mit einer Vielzahl von Göttern oder zentrierte sie beim höchsten Himmelsgott, der im griechisch-antiken Kosmos Zeus war. Er galt als Herr über alle Wetter-ereignisse.
Rubens folgt in seinem Gemälde dem in der Renaissance wieder auflebenden Glauben, dass Götter bestimmte Naturphänomene repräsentieren. So galt Neptun als Gott des Meeres (Abb.1). Auf dem Bild wird Zeus donnerdröhnend und blitzeschwingend in pechschwarzer Wolke dargestellt. Das Meer ist aufgewühlt, und Neptun, sitzend auf einem Muschelwagen, versucht Zeus zu beschwichtigen.
Das Wetter als Wissenschaft
Das Wetter vorherzusagen war schon immer eine Vision der Menschen, da das Wetter ihre Existenz mitbestimmt. Überflutungen und Dürren waren und sind eine Überlebensfrage. Zunächst reichte es, Buch zu führen über die Wettererfahrung der Vergangenheit. Nach der Industriellen Revolution verlangten die Menschen nach Informationen über die Entwicklung von Wissenschaft und Technik, so auch über Erforschung des Wetters. Karten mit Wetterphänomenen wurden erstmals 1846 von James Reynolds herausgegeben und waren für das informelle Lernen zu Hause gedacht.
John Emslie zeichnete damals mehrere Karten für James Reynolds und erstellte 1846 das Diagramm der Meteorologie. Auf diesem Bild sind sämliche atmosphärische Phänomene zusammegefasst und mit Nummern versehen, die unterhalb des Bildes mit Fachbegriffen erklärt werden (Abb.2 ).
Sonne, Regen, Wind und Schnee
Dramatische Wolkengebirge und Wettersituationen wurden in Landschaftsbildern und Seestücken des 17.Jahrhunderts gern inszeniert. Dennoch ist festzustellen, dass die Landschaftsmalerei vor 1800 eher das schöne Wetter mit Sonne und blauem Himmel favorisierte. Regenbilder findet man selten. Das änderte sich spätestens mit der malerischen Auffassung der Impressionisten. Wetter erscheint in ihren Arbeiten nicht als Macht über den Menschen, sondern hat in all seinen Ausprägungen bestaunenswerte Seiten. So ist Regen ein wunderbarer Eindruck, den es festzuhalten gilt. Das Bild „Flussufer im Regen von Gustave Caillebotte zeigt eine solche Landregenstimmung. Die Ringe, die sich durch die Tropfen an der Flussoberfläche ausbreiten, vermitteln greifbar das Gefühl des warmen Sommerregens. Die Geräusche des Regens scheinen hörbar zu sein.
Nicht die Abbildung eines Wetterphänomens, sondern die Arbeit mit diesem beschäftigte Eduardo Chillida ca. 100 Jahre später an der Küste des Golfs von Biscaya. Wind eine unsichtbare Wettererscheinung wird durch den Griff der rostigen Riesenhände sicht- und hörbar (Abb.3 ). Sie scheinen den Wind, der diese Region heftig heimsucht, ergreifen zu wollen und bringen dadurch einen Ton hervor, der mit seinem dumpfen Klang fast das Echo der Brandung darstellt. Der Ton als Ruf nacheinander zeigt auch Chillidas ewiges Thema der Trennung und Vereinigung. Die riesigen „Windkämme recken auf der Suche ihre Hände in den Wind. Sie haben Sehnsucht nacheinander, denn Wind und Meeresbrandung rissen Stück für Stück Felsbrocken aus dem schroffen Ufer und teilten es in zwei Vorsprünge. Der Mensch kann das...

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